Freiheit beginnt im Kopf: Die Malerei als Spiegel der Seele
Der Nukleus: Licht, Energie, Rhythmus und der mediterrane Raum
Für Melanie Stein ist die Malerei weit mehr als eine visuelle Darstellung – sie ist ein philosophisches Erforschen des anscheinend Unsichtbaren. In ihren Arbeiten setzt sie sich intensiv mit dem Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur, deren Gesetzen und „Ungesetzen“ sowie dem Streben nach der Unendlichkeit auseinander. Der Kern ihres Schaffens liegt in der Symbiose aus gewissen mathematischen Gesetzmäßigkeiten und der wilden, ungezähmten Freiheit der Natur. Tief verwurzelt im mediterranen Raum, schöpft sie aus der archaischen Energie und dem besonderen Licht dieses Raumes die Kraft für ihre Werke. Für Stein ist Kunst „die höchste Form von Hoffnung“ – eine Antwort auf die Komplexität der Welt und eine Suche nach verlorenen Qualitäten. Ihre Kunst fungiert als Spiegel ihrer Erlebnisse und als Abbild der menschlichen Seele in all ihren Facetten: von den tiefsten Abgründen bis hin zu den höchsten Formen von Liebe und Hoffnung.
Werdegang und Vision
Geboren im thüringischen Saalfeld, wurde Melanie Steins Verständnis für Form, Proportion und Raum maßgeblich durch ihr Studium der Kunst und Architektur an der renommierten Bauhaus-Universität Weimar (2001–2007) geprägt. Nach ihrem Diplom im Fachbereich Architektur war sie einige Jahre in Architekturbüros in Weimar und Koblenz tätig. Diese Jahre schärften ihren Blick für Struktur, Symmetrie und Balance – Elemente, die bis heute das Gerüst ihrer künstlerischen Arbeit bilden. Seit 2013 arbeitet Sie als freischaffende Architektin und Künstlerin, wobei sie 2015 Istrien zu ihrem Lebensmittelpunkt wählte. Nach vielen Jahren in der Architekturpraxis widmet sie sich nunmehr fast ausschließlich der freien Kunst.
Der Prozess: Kontrolle und Zufall
Geprägt durch ihren Hintergrund in der Architektur, ist Steins künstlerische Praxis eine stete Suche nach Harmonie, Symmetrie und Balance. Doch es geht ihr nicht um starre Ordnung, sondern um die „Kontrolle des Zufalls“. In einem körperbetonten, fast rituellen Schaffensprozess, bei dem Musik ein essenzieller Taktgeber ist, dekonstruiert sie bestehende Grenzen, um eine neue, innere Schönheit zu finden.
In ihren Mischtechniken arbeitet Stein hauptsächlich mit Ölfarben, aber auch mit Fundstücken, Spuren, die die Zeit hinterlassen hat, mit der lebendigen Vielfalt von Strukturen und mit natürlichen reinen Farbpigmenten. Ihre tiefe Wertschätzung für ihre Wahlheimat Istrien fließt nicht nur in die Motive ein, sondern manifestiert sich in den Bildtiteln, die konsequent im istro-venezianischen Dialekt (Istroveneto) gehalten sind. Ihre starke liebe zu Frankreich zeigt sich u. a. in den Farben, in den Pigmenten und Erden die sie verarbeitet.
Sie versteht ihre Kunst als eine schöpferische Antwort auf die Komplexität der Welt und eine Einladung, in sinnliche, tief berührende Welten einzutauchen. In ihrem Atelier in Istrien entstehen Werke in einem hochemotionalen und körperbetonten Prozess. In Ihrer Technik entstehen dabei Schichten aus Farbe, Textur, Struktur und letztendlich Emotion und Zeit. Dabei bewegt sie sich im Spannungsfeld zwischen der Kontrolle des Zufalls und der Suche nach innerer Schönheit. Ihre Bilder vereinen abstrakte und gegenständliche Malerei mit surrealistischen Elementen und fordern den Betrachter auf, Grenzen zu überschreiten, Dinge zu dekonstruieren und eine neue Harmonie zu finden. Dabei dient ihr die Natur mit ihrer „Vorliebe für Verschwendung und gerade noch Mögliches“ als wichtigstes Vorbild.
Zwischen den Dimensionen
In meiner künstlerischen Arbeit löse ich die starren Grenzen der Dimensionen auf. Ich versuche eine Brücke zwischen der physischen Welt und metaphysischer Ebene zu schlagen. Meine Malerei bewegt sich im fließenden Übergang zwischen der Fläche und dem Raum – von der zweiten über die dritte bis hin zur vierten Dimension. Es ist ein Spiel mit der Wahrnehmung, bei dem die Dimensionalität ihre Eindeutigkeit verliert und Raum für eine Neue Ebene schafft.
Inmitten der rauen Schönheit meiner Wahlheimat Istrien finde ich die Inspiration für dieses Schaffen. Die mediterrane Landschaft und besonders die unergründliche Tiefe des Meeres sind für mich weit mehr als Motive; sie sind Ausdruck einer lebenslangen Suche nach Verhältnismäßigkeit und innerer Balance.
Ein zentrales Symbol meinenes Werkes ist immer wieder die Spirale. In ihr vereinen sich das Erforschen der Unendlichkeit und die zyklische Natur des Daseins. Diese Form schlägt zugleich die Brücke zu den Urkräften des Lebens: der Weiblichkeit und der Sexualität. Sie sind der pulsierende Kern meiner Bilder – mal subtil mitschwingend, mal kraftvoll präsent. So entsteht eine Kunst, die das Sichtbare mit dem Fühlbaren verwebt und den Betrachter einlädt, sich in der Unendlichkeit des Augenblicks zu verlieren.